“Wir leben auf der Milchstraße”
All I ever wanted / All I ever needed / Is here in my arms / Words are very unnecessary / They can only do harm. Ja, bei diesen Zeilen kommt sicher jedem von uns das eine oder andere traurige Andenken hoch. Damit es nicht zu traurig wird, lege man sich ein Hirschgeweih in die Arme und schaukle es sanft. Komisch? Nein, das ist einfach die Interpretation des Depeche Mode Hits „Enjoy the Silence“ auf moriartisch, wie man sie am Sonntag als Schlussakt des 5. Francophonic Festivals erleben durfte.

Was diese Künstler kreieren, könnte man als Ergebnis vielfältiger „transpositions d’art“ beschreiben, als ein Mosaik unterschiedlichster Genres der Kunst. Moriarty bedienen sich zwar vorranging des Mediums Musik, aber das, was sie ihrem Publikum am Sonntagabend präsentierten Konzert zu nennen, erfasst schier die Bandbreite dieser Formation nicht. Es war ein Spektakel, das man sich ansehen und erleben musste, bei dem man, so man es wollte, mitsingen oder dazu tanzen konnte.
Auf der Bühne hebt dieses außergewöhnliche Quintett eine dem Laienzuschauer angewöhnte Band-Hierarchie von Sänger – Gitarrist– Schlagzeuger – Rest einfach auf. Jedes Mitglied ist nicht nur musikalisch bedeutend, sondern ebenso integral im Bühnenbild und in der Performance verhaftet und irgendwie immer im Mittelpunkt.
Auch wenn man einräumen muss, dass die Aura, welche Rosemary umgibt, zusammen mit ihrer unglaublichen Stimme wohl am direktesten unter die Haut geht, da diese auch auf der Bühne Studioqualität und somit einen Wiedererkennungswert besitzt. Hier nun einige Elemente eines Spektakels, die sich nur live erleben lassen: beispielsweise das nicht nur herrlich anzusehende Spiel des Kontrabasses, der kurze Xylophon-Exkurs, die mich in die Welt des Blues tragende sich mit dem Künstler bewegende Mundharmonika oder der zeitweise am Boden liegende und sich der Dinge erfreuende Gitarrist Arthur, der uns auch später ein kurzes Interview gab. “Die anderen von unten zu sehen war eine fabelhafte Erfahrung.”
Nein, keine Drogen und sehr selten Alkohol. Moriarty eben. Zur Erinnerung –the Almighty Oracle Blog schreibt: „ They have their own imaginary world and paint it around with each song.” Ja, das fühle ich nach diesem Abend noch mehr als vorher, da ich nur ihre Studioaufnahmen oder einige Konzertmitschnitte kannte. Eine wahrhafte Inszenierung, die Akt für Akt unterschiedlich funktioniert und viel Raum für Spontanes lässt.
Wo sie lebten, frage ich sie. In Paris, New York oder in den Hotels dieser Welt. “Auf der Milchstraße”. Das sei das einzige, dessen Arthur sich sicher sei. Da war sie wieder, die augenzwinkernde Leichtigkeit Moriartys. Die Konzerttermine auf ihrer Homepage lassen der Band scheinbar kaum Freizeit. Arthur Moriarty stört sich daran nicht. Zim Moriarty, der Architekt unter den Moriartys, kümmere sich dennoch um die städtebauliche Bildung der restlichen Moriartys. Und diese freut’s. So wird jede Reise der Band auch eine touristische.
Hier der erste Teil des Interviews:
Der zweite Teil bisher ohne Videospur… Ich versuche das zu ändern, bis dahin, gibt’s die Ton-Version:
Nach dem Konzert war es nicht möglich, alle gemeinsam zum Interview zu bekommen, da jeder irgendwie mit mehreren Fans oder mit Signieren beschäftigt war. Das ist auch eine Sache, die Moriarty so einzigartig macht. Jedes Bandmitglied scheint irgendwie sein Ding zu machen und zusammen ergeben sie dennoch ein in sich stimmiges Ganzes. Wie eine bewusst gewählte Familie. Das sehen auch die Fans des Moriarty-Landes so.
So habe ich vor und nach dem Konzert mit einem französischen Pärchen gesprochen, die Moriarty bereits vorher live gesehen haben und sie gefragt, was die beiden an der französisch-amerikanischen Gruppe mögen. Die Atmosphäre der Konzerte sei es – stets eine sehr intime, familiäre, auch wenn die Band in großen Clubs auftrete.
Als ich Arthur später davon erzähle, sagt er, sie müssten wohl einmal versuchen, auf der Bühne aggressiver zueinander zu sein. Keine gute Idee!
Eine ziemlich gute Idee hatte allerdings Ben, mein Blogpartner. Anstelle gewöhnlicher Interviews haben wir die Leute gefragt, die Konzerte von Moriarty und Peter von Poehl in drei Worten zusammen zu fassen.
Leider haben wir ihn nicht nochmal getroffen… Wenn du das liest, bleibst du dabei? Oder konnte sich Moriarty als Hauptact behaupten?
Hier noch mehr Interviews und Infos zu Moriarty:
http://www.lecargo.org/spip/moriarty/%28nf%29_diva_;_%28nmplur%29_divins/zooms-3967.html
Und das Schönste zum Schluss: Enjoy the Silence von Ben:
Danke, Julien, für deine Fotos und Videos!
Von Christin Hartung

